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Deutsch 4.0 - Sprache in Bewegung

Viele Deutsche glaubten an einen schlechten Scherz: Die „Capri Sonne“ wird in Zukunft den Namen „Capri Sun“ tragen, das gab der Hersteller letztens bekannt. Angeblich soll das Getränk so international - unter einem einheitlichen Namen - besser vermarktet werden können. Capri Sonne Fans sind empört, sie fühlen sich ihrer Kindheitserinnerungen beraubt und erinnern sich schweren Herzens an die Schultage zurück, welche ihnen durch das allseits beliebte Getränk versüßt wurden. Die Namensänderung wird sogar zum Trendthema in den sozialen Netzwerken und auch Komiker machen sich darüber lustig. Doch was kommt als Nächstes in Deutschland? Wird die „Kinder Überraschung“ zur „Kinder Surprise“? Wie hat sich die deutsche Sprache verändert und droht sie vielleicht sogar zu verfallen? Denn nicht nur der Einfluss des Englischen, sondern auch Veränderungen innerhalb des Deutschen tragen zum Sprachwandel bei.

 

Damit überhaupt eine gemeinsame deutsche Hochsprache entstehen konnte, brauchte es die Erfindung des Buchdrucks, die Übersetzung der Bibel durch Luther und schließlich die Normierung der Rechtschreibung am Ende des 19. Jahrhunderts. Ein Wandel der Sprache findet ständig statt.  Aber nun zu den aktuellen Veränderungen im  Deutschen, z.B. „Political Correctness“. Durch „politisch korrekte“ Ersatzausdrücke soll eine sprachliche Diskriminierung vermieden werden: Niemand darf aufgrund seines Geschlechts, seines Alters, seiner Religion oder seiner Behinderung beleidigt oder zurückgesetzt werden. Diese Sprachverwendung ist häufig sinnvoll, denn so werden z.B. die Nennung weiblicher und männlicher Formen oder die Verwendung neutraler Formulierungen angeregt. Trotzdem sollte man je nach Kontext und Begriff differenzieren, denn es besteht die Gefahr von Euphemismen und der Verschleierung von Tatsachen. Wird beispielsweise ein behindertes Kind als besonderes Kind bezeichnet, könnten für den Kommunikationszusammenhang wichtige Informationen fehlen.                                                                                                                                    Eine kritischer zu betrachtende Veränderung ist das sogennante. „Kiezdeutsch“. Dabei werden Sätze, meistens im Gesprochenen, durch das Weglassen von Artikeln und Präpositionen, verkürzt. „Ich komm mit Fahrrad“ oder „Ich geh Fußball“ sind Sätze, die wahrscheinlich jeder schon einmal, vor allem von Jugendlichen, gehört hat.  Diese Ausdrücke benutzen allerdings nicht nur Migranten, was viele behaupten, auch die deutsche Jugend lässt beim Sprechen gern den Artikel oder die Präposition weg.                                                                                                                            Des Weiteren ist die Verwendung von Anglizismen eine wichtige Veränderung in der deutschen Sprache. Das Englische ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, egal ob in der Arbeit, Schule oder im Studium, schließlich macht man nicht mehr sein Diplom, sondern den „Bachelor“ oder „Master“. Immer mehr deutsche Begriffe werden durch Englische ersetzt, begünstigt wird dies auch wieder durch die Jugendsprache: Die letzte Party war „lit“ (also „toll“ oder „super“) und das Make-up der besten Freundin ist heute mal wieder „on fleek“ (bedeutet so viel wie „auf den Punkt“). Durch diesen Wortgebrauch kommt es gezwungenermaßen täglich zu einer Veränderung der deutschen Sprache.

Von einigen Menschen wird die Veränderung der Sprache ebenfalls kritisch betrachtet. Ein Brite hat z.B. die Internetseite „deutschretten.com“ ins Leben gerufen, auf der man deutsche Wörter adoptieren kann und versuchen soll nur noch diese - anstatt der Englischen - zu benutzen. Wie sich unsere Sprache in Zukunft verändert, kann wohl keiner vorhersagen. Ob nun „nur“ ein  Sprachwandel oder doch ein Sprachverfall stattfindet, liegt wohl im Auge des Betrachters.

 

von Eva Stumpf

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